Arbeitssuchende sind in der Regel daran interessiert, alle Wege zu gehen, die sie wieder in Arbeit bringen könnten. gw: Herr Kübler, wieso sollten Arbeitssuchende zu Ihnen kommen, es bestehen ja auch Möglichkeiten, sich direkt zu bewerben?
Kübler: Selber bewerben ist in jedem Fall gut, doch gibt es viele Stellen, von denen Arbeitssuchende nichts erfahren würden, kämen sie nicht zu uns. Firmen beauftragen häufig private Arbeitsvermittler, um freie Stellen mit am besten geeigneten Bewerbern besetzen zu können. So spart sich der Arbeitgeber die Auswahl aus einem Stapel von 300 Bewerbungen und für Arbeitssuchende steigen die Chancen eingestellt zu werden, denn von uns werden zwei bis höchstens fünf Bewerber für eine Stelle vorgeschlagen.
gw: Wie gehen Sie bei Ihrer Auswahl vor?
Kübler: Zunächst machen wir uns mit dem Arbeitgeber persönlich bekannt, der eine Stelle ausschreibt. Wir lernen Arbeitsumfeld und auch Personal¬entscheider kennen. So entsteht ein Eindruck nach dem wir auch danach auswählen können, ob ein Mitarbeiter nicht nur von seiner Qualifikation, sondern auch zwischenmenschlich zur Firma passen würde.
gw: Was müssen Arbeitssuchende tun, um von Ihnen vermittelt werden zu können?
Kübler: Wenn jemand an uns herantritt, vereinbaren wir telefonisch einen Termin. Mitzubringen sind der Vermittlungsgutschein von der Agentur für Arbeit sowie vollständige Bewerbungsunterlagen. Für Berufe, bei denen es nicht so wichtig ist, in schriftlichen Angelegenheiten fit zu sein, geben wir auch mal Hilfestellung beim Lebenslauf. Zeugnisse brauchen wir als Kopie, nicht im Original. Wichtig sind ein gepflegtes Äußeres und pünktliches Erscheinen, schließlich ist es dieser erste Eindruck, den wir an den potentiellen Arbeitgeber weitergeben. Daher sollten auch Termine beim Arbeitsvermittler ernst genommen werden, wir treffen ja auch eine Vorauswahl. Wir nehmen uns ungefähr eine Stunde Zeit für jeden Bewerber, in der erst alle Formalien erledigt werden und dann ein Gespräch stattfindet. Darin klären wir, welche Vorstellungen ein Bewerber hat und welche Vermittlungschancen bestehen. Diese Beratung ist ganz individuell. Abhängig davon, wie schnell für eine bestimmte Stelle jemand gesucht wird, haben wir Zeit, um am Lebenslauf des Bewerbers zu arbeiten oder Tipps für das Vorstellungsgespräch zu geben. Aus den im Gespräch gesammelten Informationen erstellen wir dann ein Profil für den Bewerber.
gw: Was geschieht mit diesem Profil?
Kübler: Bei großer Übereinstimmung mit einer Stellenbeschreibung, leiten wir die Bewerbung weiter. Mit den Unterlagen gehen wir sehr sorgfältig um, geben sie nicht etwa in eine „black box", wobei dann keiner weiß, wohin die Bewerber eigentlich vermittelt werden. Uns sind die entsprechenden Arbeitgeber immer bekannt.
gw: Wie gehen Sie mit schwer vermittelbaren Arbeitssuchenden um?
Kübler: Wenn jemand sehr lange Zeit, also sechs Jahre oder länger nicht im Arbeitsprozess war, raten wir meist zu Wiedereingliederungsmaßnamen, auch Ein-Euro-Jobs genannt. Zusätzlich zum Hartz-IV bekommt der „Jobber" in Berlin 1,50 Euro pro Stunde netto. Bei einer 30 Stundenwoche sind das rund 180 Euro zusätzlich im Monat. Nach ein paar Monaten in einer solchen Wiedereingliederungsmaßnahme, die oft in sozialen bzw. pflegenden Berufen stattfindet, hat der Arbeitssuchende dann „bewiesen", dass er in der Lage ist, pünktlich und zuverlässig seine Arbeit zu verrichten und ist dann eher wieder vermittelbar. Junge Leute, die nach dem Abschluss ihrer Berufsausbildung, sagen wir zum Maler, zwei Jahre oder länger nicht in ihrem Beruf gearbeitet haben, müssen beim Wiedereinstieg auch Abstriche machen und eventuell als Malerhilfe wieder anfangen.
gw: Welche Berufe suchen Sie?
Kübler: Im Moment suchen wir im Bürobereich, also Berufe wie Bürokaufleute, Export-, Immobilien- und Speditionskaufleute, Personaler, Steuerfachangestellte und Empfangskräfte, allesamt mit und ohne Englischkenntnisse. Gesucht werden auch Wachschutzmitarbeiter, ¬Hotel- und Küchenpersonal sowie alle gewerblichen Tätigkeiten, wie Schlosser, Dreher, Fräser, Schweißer, Elektriker, Heizungs- und Sanitärmonteure. Bauberufe wie Maurer, Zimmerleute, Einschaler und Maler vermitteln wir ebenso wie Kranken- und Pflegepersonal und Kraftfahrer (40 Tonnen). Aktuell sind auch Lokführer und Sicherungsposten für Bahnunternehmen gefragt.
gw: Abschließend eine Kostenfrage, wie werden Ihre Leistungen vergütet?
Kübler: Wir erhalten den Vermittlungsgutschein vom Arbeitsamt in Höhe von 2000 Euro, die Hälfte sobald ein Arbeitsvertrag unterzeichnet wurde, die andere nur dann, wenn ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis zustande gekommen ist, also nach sechs Monaten. Wir arbeiten also auf Erfolgsbasis.



