Wenn es Inbegriffe für Beschaulichkeit und Unaufgeregtheit in Pankow gibt, dann gehört Wilhelmsruh auf jeden Fall dazu. Der heutige Ortsteil, der 1920 mit der Neuordnung von Berlin dem Bezirk Reinickendorf zugeschlagen wurde und erst seit der Gebietsreform vor 71 Jahren den Bezirk Pankow begrenzt, lag schon immer abseits allen Trubels und ist auch in der Geschichtsschreibung zuvor nicht auffällig geworden - auf 1894 geht die erste Erwähnung des Namens zurück.
Ein Namenspate ist nicht überzeugend verbürgt, die Geschichtsforscher tippen zwischen Kaiser Wilhelm I, der hier Ruhe gefunden haben könnte vom Regieren, und zwei weiteren Wilhelms, einem Herrn Bude, Grundbesitzer, und einem Wirt Gande, hin und her. Ruh zumindest ist eindeutig, auch wenn mit der Industrialisierung Berlins auch in die Randlage etwas mehr Unruhe kam. Siegmund Ludwig Bergmann erwarb 1907 hier das Baugrundstück, auf dem er die Bergmann-Elektrizitäts-Werke AG errichten ließ. Zwei Jahre später schon wurden hier Teile für Straßenbahnwagen und Dampfturbinen hergestellt. Als günstig für den Transport der Materialien, Produkte und auch für die Beförderung der Arbeiter erwies sich der vorhandene Gleisanschluss für eine Bahnverbindung, die bald als Heidekrautbahn bekannt wurde und noch heute Fahrgäste in die nördliche Umgebung Berlins befördert, wenn auch nicht mehr von Wilhelmsruh aus.
Wesentlich für die soziale Infrastruktur eines sich entwickelnden Ortes sind auch Kirche und Schule. Die Luther-Kirche in der Hielscherstraße wurde 1906 nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht, der Schulbau zwei Jahre später fertiggestellt.
Für die Erholung gab es eine kleine Badeanstalt, der örtliche Ententeich hielt dafür her. Über viele Jahre prägten die Bergmann-Werke einerseits und der bürgerliche Charakter des im Laufe der Jahre immer mehr zur Villensiedlung gewordenen Wilhelmsruh den Eindruck dieses westlichsten Pankower Ausläufers - auch der industrielle Wandel in den Jahren nach 1990 änderte daran nichts, Wilhelmsruh bleibt Inbegriff für Beschaulichkeit und Unaufgeregtheit.



