Bis heute prägen zahlreiche expressionistische Backsteinbauten das Stadtbild Berlins. Das Umspannwerk in Wilhelmsruh mit seiner monumentalen Architektur ist eines dieser bedeutenden Industriedenkmäler des 20. Jahrhunderts. 1925-27 unter der Leitung des damaligen Chefarchitekten der Bewag Hans-Heinrich Müller errichtet, war das Umspannwerk Teil eines hochmodernen Stromversorgungsnetzes, das in den 20er Jahren für die wachsende Metropole aufgebaut wurde. Hier wurde der aus den Kraftwerken zugeleitete Strom von einer sehr hohen Spannung auf eine geringe¬re Verteilungsspannung abgespannt.
Das Ensemble wurde als streng symmetrische Vierflügel¬anlage um das zentrale ellip¬tische Wartengebäude im Hof konzipiert und straßenseitig von zwei Wohntürmen flankiert. Im Jahre 1994 wurde das Um¬spannwerk stillgelegt und fand in den Jahren danach aufgrund seiner interessanten Ausstrahlung bei Kreativen aus allen Kulturbereichen viel Anklang für temporäre Kunst- und Kommerzprojekte.
Aufgrund seiner herausragenden Architektur und unverwechselbaren Identität wählte die Vattenfall Europe Information Services im Jahre 2005 das Gebäude als neuen zentralen Berliner Standort.
Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, musste der Umbau unter größtmöglicher Bewahrung von historischer Substanz erfolgen. Gleichzeitig waren die Anforderungen an zeitgemäße Bürostrukturen zu erfüllen. Diese Gratwanderung war die große Herausforderung für alle am Projekt Beteiligten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Aus den industriellen Stilelementen wie hohe, gemauerte Hallen, Oberflächen mit Marmorbekleidungen, Eisenbeschläge und sichtbar belassenes Mauerwerk sowie Relikte der technischen Ausstattung ergibt sich eine Atmosphäre, die mit einem Neubau überhaupt nicht vergleichbar ist.
Gerade unter dem Gesichtspunkt des Denkmalschutzes ist der Umbau gelungen: Eingriffe in der Fassade wurden auf ein Minimum reduziert ohne jedoch die Anforderungen an Schall- und Wärmeschutz sowie Belichtung und Belüftung außer Acht zu lassen. Denkmalgeschützte Bereiche wurden in ihrem historischen Erscheinungsbild perfekt mit modernster Büroarchitektur verbunden.
Wer sich auf dem Gelände umsieht, entdeckt überall Details, die von der ehemaligen Nutzung als Umspannwerk zeugen. Da steht ein alter Transformator auf dem Hof, nebenan sind Holzelemente an der Fassade angebracht, die an die alten riesigen Tore erinnern und im Eingangsbereich hängt ein Lastenkran. Auch die ehemalige Schaltzentrale, bau- und technikgeschichtlich besonders bedeutend, ist bis auf die Bodenbeläge in ihrem bauzeitlichen Zustand erhalten geblieben, wenn auch in anderer Funktion. Die Ausführung der Marmorarbeiten sind von hoher gestalterischer Qualität, Sockel, Türzargen und Gesims sind mit stark geadertem dunkelgrau-grünlichen Stein abgesetzt, die Schaltflächen mit hellgrauem Marmor bekleidet und somit gefasst. Schadhafte oder fehlende Marmorbekleidungen wurden ergänzt.
Alle Besprechungsräume tragen Namen Berliner Stadtbezirke. Der größte, die ehemalige Schaltzentrale, heißt „Mitte". Natürlich ist auch die kulinarische Versorgung der Mitarbeiter gewährleistet: Im Casino genannten Betriebsrestaurant gibt es 100 Plätze mit freischwingenden Stühlen, deren Design aus derselben Epoche wie das Umspannwerk stammt.
Der Standort schlägt einen Bogen von der Frühzeit der Energieerzeugung bis zur Zukunft der Informationstechnologie. Damit wird aus dem Gebäude ein Symbol für die regionale Identität der Bürger Pankows wie auch für die Stärkung der Wirtschaft in dieser Region.



