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Über die Heilkunde des Alters
Geriatrie wird sie genannt, jene Spezialdisziplin der Medizin, die sich mit den Krankheiten des alternden Menschen beschäftigt. Sie wird zunehmend notwendig für unsere Gesellschaft, denn heute sterben Menschen später als vor 100 Jahren. Bis 1910 gab es noch die klassische Bevölkerungspyramide in Deutschland. Dieses Bild wird sich bis zum Jahr 2030 in eine Glockenform verkehren. Es wird mehr Alte geben.

Angesichts dieser Prognose verwundert es, dass die Geriatrie an Universitäten noch ein wenig unterbelichtet wird. Denn mehr als zuvor nimmt diese Spezialdisziplin einen wichtigen Stellenwert in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung ein.

Was macht Geriatrie genau?
Geriatrie beschäftigt sich mit der Behandlung und Rehabilitation körperlicher und auch seelischer Erkrankungen im biologisch fortgeschrittenen Lebensalter. Dies umfasst Probleme der Inneren Medizin, der Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie. Letztere berücksichtigt in der Gerontopsychiatrie spezielle Befindlichkeiten älterer Menschen.

Der Prozess des Alterns erfolgt allmählich und ist leider unwiderruflich. Im Alter verändern sich die Organsysteme. Nicht selten kommt es dann zu Hirnleistungsstörungen, Einschränkungen der Wahrnehmungsorgane, Inkontinenz der Blase und des Darms sowie zum allgemeinen Intelligenzabbau, der Demenz.

Viele ältere Menschen leiden auch an Schwäche und Schwindel, weshalb sie weitaus häufiger stürzen als jüngere. Weil die -beschriebenen altersspezifischen Krank¬heitssymptome häufig gleich¬zeitig auftreten, verfolgt die Geriatrie einen ganzheitlichen Behandlungsansatz.

Um alle unklaren Symptome abzuklären oder auch um Wechselwirkungen zu erkennen, stehen den Medizinern verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung. So genannte Assessment-Sets können zu Hause, im Pflegeheim oder in einer Klinik durchgeführt werden.

In einem ersten Schritt, dem so genannten Screening, wird den Patienten ein Fragebogen vorgelegt, der ihr Befinden im Allgemeinen und ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten erfasst, um den Gesundheitszustand einzelner Organe ersichtlich zu machen.

Im zweiten Schritt, der eigentlichen „Prüfung", wird der Zustand des Patienten durch verschiedene Berechnungsmethoden und ein Punktesystem in eine Skala eingeordnet, die seine Abweichung vom optimalen Gesundheitszustand veranschaulicht. So wissen behandelnde Mediziner, wie sie die Therapie gestalten müssen.

Ziel der Geriatrie ist es dabei, die Selbständigkeit der Menschen so lange wie möglich zu erhalten oder auch wiederherzustellen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Dabei gibt es kein definiertes Alter, ab welchem Ärzte bei der Behandlung eines Patienten von Geriatrie sprechen. Die meisten von typischen Alterssyndromen Betroffenen sind jedoch über 65 Jahre alt.

Da ältere Menschen, neben ihrer medizinischen Behandlung, oftmals auch auf soziale Unterstützung angewiesen sind, werden in der Geriatrie zusätzliche Therapien in multidisziplinären Umgebungen angeboten. Fachärzte und Rehabilitationskliniken verfügen über eine adäquate Ausstattung und vor allem über das nötige medizinische Fachwissen für die therapeutischen Bedürfnisse älterer Menschen.