Seine Wurzeln hat Französisch-Buchholz in Brandenburg – nicht nur geografisch, sondern vor allen Dingen hochpolitisch. Im 17. Jahrhundert wurde hier, außerhalb Berlins und dennoch nah und verkehrsgünstig gelegen, eine französische Ansiedlung geschaffen, die auf Friedrich Wilhelm von Brandenburg, den Großen Kurfürst zurückgeht.
Im Oktober 1685 erließ er von seiner Residenz aus das Edikt von Potsdam:
Khur-Brandenburgisches Edikt,
Betreffend
Diejenige Rechte / Privilegia und andere Wohlthaten / welche Se. Khurf. Durchl. zu Brandenburg denen Evangelisch-Reformierten Französischer Nation so sich in Ihren Landen niederlassen werden daselbst zu verstatten gnädigst entschlossen seyn.
Geben zu Potsdam / den 29. Oktobr. 1685.
Der Erlass bedeutete die Erlaubnis für etwa 20.000 französische Calvinisten, sich in Brandenburg-Preußen niederlassen zu dürfen, nachdem sie wegen ihrer Verfolgung aus religiösen Gründen aus ihrer Heimat flüchteten. In Brandenburg waren nach dem Dreißigjährigen Krieg viele Höfe verlassen, Felder und Obstanbaugebiete lagen brach. Die Wirtschaft lag am Boden und kam so zum langsamen Aufschwung.
Das Wort Hugenotte soll vom französischen aignos, deutsch Eidgenossen, hergeleitet und ursprünglich ein Spottwort gewesen sein. In Berlin und seiner näheren Umgebung, so also auch im Dorf Buchholz, ließen sich 5000 der Einwanderer nieder. Die neuen Bewohner, die 1688 ihre Kolonie geschaffen haben sollen, genossen mit staatlichen Unterstützungen und gewährter Befreiung von Steuerzahlungen erhebliche wirtschaftliche Privilegien. Sie durften ihrem protestantischen Glauben nachgehen und eigene Kirchengemeinden gründen. Um 1750 soll ein Drittel der Bevölkerung französischer Abkunft gewesen sein. Die Namen der ersten Familien, die sich hier ein neues Zuhause schufen, sind überliefert und weisen noch heute, auf vielen Straßenschildern in Französisch-Buchholz West, auf diesen prägenden Teil der Geschichte hin. So geht die Tiriotstraße, der Überlieferung nach, auf den Gärtner Daniel Tiriot aus dem westfranzösischen Mey zurück. Auch die Familien Aubert, Cuni und Arnoux sind solche Namenspatrone, wenngleich diese Straßen selbst in der Nähe des Hugenottenplatzes viel später entstanden sind.
Das Dorf Buchholz selbst, urkundlich 1242 erstmals erwähnt, trägt seit 1750 offiziell den Beinamen „Französisch" und verliert ihn 163 Jahre später wieder, als sich das politische Verhältnis zu Frankreich verschlechtert - bald darauf bricht der 1. Weltkrieg aus. Mit der Gebietsreform im Jahr 1920 wird Buchholz Teil von Pankow und gehört so als ältester Teil des Bezirkes zur Hauptstadt. Erst 1999 wird der Ortsteil wieder in Französisch-Buchholz zurückbenannt.



