Das gute alte Buch, gedruckt auf Papier und erhältlich im Buchgeschäft, verliert langsam aber sicher sein Monopol. Das Digitalzeitalter hat mit dem E-Book auch die Literatur erreicht. Gerade bei jungen Leuten erfreuen sich die E-Books größer werdender Beliebtheit. Im vergangenen Jahr ermittelte im Vorfeld der Leipziger Buchmesse das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom, dass 2,2 Millionen Deutsche die Absicht hatten, sich 2009 ein digitales Buch anzuschaffen. Von den 14- bis 29-Jährigen plante jeder Zwanzigste, ein E-Book zu kaufen.
Teure Lesegeräte sind nicht unbedingt nötig, um in einem elektronischen Buch zu blättern. Viele Multimediahandys und elektronische Organizer sind in der Lage, die Zeichen in notwendiger Qualität auf den Displays abzubilden.
Eine Reihe von Gratis-Programmen können dafür zum Einsatz kommen. Für die Smartphone-Systeme „Symbian" und „Blackberry" und „Windows Mobile" ist beispielsweise der „Mobipocket-Reader" geeignet. Für das iPhone ist „Stanza" vorgesehen, eine Software, die direkt vom Gerät auf Onlinekataloge zugreifen kann.
Seitdem die großen Online-Buchläden das Angebot immer mehr erweitern, nimmt auch der Verkauf der Bücher zu. Sie sind hier bis zu 15 Prozent billiger als gedruckte Bände. Allerdings ist der Preis für spezielle Lesegeräte zu berücksichtigen - und abzuwägen, ob sich das neue Lesevergnügen wirklich rentiert. Und: ob es wirklich ein Vergnügen ist. Das Prinzip scheint einfach: Das E-Book wird ausgewählt, bezahlt und auf den Computer oder direkt auf das Lesegerät geladen. E-Book-Reader haben eine Kapazität für einige hundert Bücher. Allerdings hat der Nutzer wenige Rechte: Er kann sein E-Book nur auf einer bestimmten Anzahl von zuvor zu registrierenden Geräten lesen. So darf er es auch nicht weiterverschenken oder verkaufen, denn nur der Kunde selbst hat die Lese-Lizenz erworben.
In den Sortimenten der Elektronikliteratur-Anbieter ist inzwischen beinahe jedes Genre zu finden. Von Kochbüchern bis zu Romanen, von Klassikern bis zu Neuerscheinungen, die ausschließlich elektronisch publiziert werden. Kleist und Kafka, Goethe und Schiller, Agatha Christie und Arthur Conan Doyle, Herta Müller, Simon Beckett und Stephen King - kaum ein namhafter Autor fehlt noch in den Angebotslisten und kann per Touchscreen, Stift oder Tastatur durchblättert werden. Und für manch unbekannten Autor könnte der neue Weg der Verbreitung auch eine Chance sein. Ausgewählte Portale bieten eine Vielzahl an Fachliteratur an. Bei „studentensupport.de" können neben einigen Reiseführern auch ausgewählte Fachbücher kostenlos im PDF-Format heruntergeladen werden.
Schwierigkeiten macht allerdings noch immer die Technik der Geräte. Denn die marktführenden Konkurrenten wollen jeweils ihre eigenen Formate durchsetzen. Apple hat sein „iPad" ebenso als geschlossenes System entwickelt, wie Sony sein „Kindle". So können die Geräte die Book-Formate der Marktrivalen nicht lesen.
Standen bei der Buchmesse in Frankfurt im vergangenen Jahr E-Book-Entwicklungen noch klarer im Zeichen des Interesses, so bleibt bei der Leipziger Buchmesse vom 18. bis 21. März das klassische Buch weiterhin deutlicher Schwerpunkt - der Vormarsch der digitalisierten Literatur wird aber weiter anhalten.



