Für den Verbraucher ist es ein gutes Gefühl, wenn er weiß, dass der Fernsehapparat, der Kühlschrank und die Nachttischlampe umweltschützend betrieben werden. Unter ökologischen Aspekten erzeugte Energie ist prinzipiell auf dem Vormarsch. Eine aktuelle Berechnung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft belegt, dass erneuerbare Energien bis zu 16 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland abdecken. Danach sei die Öko-Strom-Produktion 2009 auf 93 Milliarden Kilowattstunden angestiegen. Mit einem Anteil von 6,4 Prozent liegt dabei die Windenergie auf Platz eins, ihr folgen Biomasse mit 4,4 und Wasserkraft mit 3,3 Prozent.
Gemeinsam mit acht weiteren europäischen Ländern will Deutschland an der Nordseeküste in den kommenden Jahren ein riesiges Stromnetz aufbauen und so mit dem Milliardenprojekt die Nutzung von Windenergie weiter voranbringen. Verringert werden soll hingegen nach den Vorstellungen von Bundesumweltminister Norbert Röttgen die Förderung neuer Solarstromanlagen. Da der Beitrag für die Errichtung von Solaranlagen auf Dächern und auf Freiflächen über den Strompreis eingenommen wird, könnten gemäß dem Gesetzesplan die Stromverbraucher um eine Milliarde Euro pro Jahr entlastet werden.
Die Elektroenergie, die in den verschiedenen Kraftwerksarten produziert wird, wird in dasselbe Netz eingespeist. Ob aus Kernkraftwerk oder Windradpark - das Produkt selbst unterscheidet sich nicht, trotz unterschiedlicher Herkunft. So bekommen der umweltbewusste und der sparsame Verbraucher aus ihren Dosen dieselbe Elektrizität. Die unterschiedlichen Anbieter verfügen auch nicht über eigene Leitungssysteme zum Endverbraucher. So ist der Kunde physikalisch nicht ökologischer versorgt, wenn er Öko-Strom kauft. Er stärkt allerdings mit seiner Entscheidung den Öko-Strom-Anbieter auf dem Markt und damit die Position des umweltverträglich erzeugten Stroms insgesamt.
Nahezu alle bundesdeutschen Versorger bieten inzwischen „grünen" Strom an. Doch angepriesener Öko-Strom ist nicht unbedingt tatsächlich und hundertprozentig Öko-Strom. Die Bezeichnung ist nicht gesetzlich geschützt und so ist mancher grün schimmernder Tarif in der Realität für Elektroenergie gültig, die zu großen Teilen in Kohle- oder Kernkraftwerken produziert worden ist. So stehen Öko-Strom-Angebote einiger Versorger in der Kritik, weil sie ihre Produkte über den Handel mit Öko-Strom-Zertifikaten aufwerten. Solche Atteste gestatten es dem Anbieter, seinen Atom- oder Kohlestrom nach dem Ankauf bestimmter Zertifikate von tatsächlich ökologiegerecht produzierenden Herstellern als Öko-Strom zu vermarkten. Der umweltbewusste Stromkunde sollte deshalb nicht allein auf Zertifizierungen, sondern auf die verschiedenen Gütesiegel achten. Greenpeace benennt dafür als die zwei wesentlichen Merkmale echter Öko-Angebote Investitionen des Anbieters in neue Öko-Kraftwerke sowie vollständige Hinweise auf die Herkunft des Stroms.
Jedem Verbraucher muss bewusst sein, dass Öko-Strom seinen Preis hat. Dennoch ist, wie die Stiftung Warentest im vergangenen September ermittelte, solcher Strom nicht immer teurer als konventionell erzeugter. Die Verbraucherschutzorganisation verweist im Oktoberheft der Zeitschrift „Test" auf die Tarife von „Naturstrom", „Greenpeace Energy", „EWS Schönau" und „Lichtblick", die ausschließlich umweltschonend erzeugten Strom abgeben und garantiert neue Öko-Strom-Anlagen fördern. Die Preisgestaltungen seien mit denen für konventionellen Strom vergleichbar.
Der Preisvergleich fällt dem Verbraucher zunehmend schwerer, vor allem angesichts der beinahe unüberschaubaren Vielzahl von Tarifmodellen und Vertragsbedingungen, Paketpreisen und Rabattangeboten, gestaffelten Preisgarantien, von Laufzeiten und Kündigungsfristen.
Hier sind unabhängige Tarifrechner wie „Verivox" im Internet nützlich, mit ihnen ist es möglich, anhand von Wohnort und bisherigem Jahresverbrauch Vorschlagslisten zu erstellen und so für Übersicht zu sorgen.



