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Sprachfähigkeit trainieren mit Logopädie
Der Mensch kann nicht anders als zu kommunizieren, wenn er sich im Alltag behaupten möchte. Zur Kommunikationsfähigkeit zählen Mimik, Gestik und besonders auch Stimme und Sprache. „Gewusst wie!“ im Gespräch mit den Logopädinnen der Logopädischen Praxisgemeinschaft Buch in der Groscurthstraße Bettina Kern-Gohs und Uta Krupp.

Schon im Säuglingsalter be­ginnt durch Hören, Blickkontakt, Fühlen und Riechen das Wahrnehmen und Interagieren mit der Umwelt. Wann sollte ein Kind sprechen können?

Kern-Gohs: Mit circa einem bis anderthalb Jahren können Kinder erste Wörter äußern, mit etwa zwei Jahren umfasst der aktive Wortschatz 20 bis 50 Wörter. Verben und Personalpronomen kommen hinzu und etwa ab dem dritten Lebensjahr erste Formen der Vergangenheit. Mit fünf Jahren sollte ein Kind komplexe Sätze verstehen, alle Laute und Lautverbindungen beherrschen und in der Lage sein, korrekte Sätze selbst zu bilden.

Worin liegen die Ursachen für kindliche Sprachprobleme?

Kern-Gohs: Eine Ursache kann zum Beispiel in der unzureichenden zentralen Wahrnehmung und Verarbeitung akustischer Reize liegen. Eine weitere Ursache kann eine Einschränkung des peripheren Hörens durch häufige Infekte im Kleinkindalter sein. Ebenso gibt es zentral-motorische, intellektuelle und psycho-soziale Ursachen. Auch Muskelfunktionsstörungen oder andere Behinderungen kommen als Ursachen in Betracht. Das Spektrum ist sehr groß.

Welche Sprachschwierigkeiten behandeln Sie bei Kindern am häufigsten?

Kern-Gohs: Am häufigsten behandeln wir Kinder mit komplexen Störungen der Sprachentwicklung - betroffen sind dann mehrere Ebenen der Sprache (Wortschatz, Artikulation, Grammatik und Sprachverständnis) parallel. Bei diesen Kindern sind oft auch die motorische Entwicklung, Konzentrationsfähigkeit und das Spielverhalten nicht altersgerecht entwickelt.

Eine weitere Gruppe sind Kinder mit isolierten Lautbildungsstörungen, wie Lispeln (Sigmatismus) oder einer K-T-Schwäche. Behandelt werden Kinder mit Stottersymptomen und seltener auch Kinder mit Sprachschwierigkeiten, die durch Schwerhörigkeit verursacht worden sind. Kinder, die frühzeitig mit einem Cochlea Implant oder Hörgeräten versorgt werden, haben mit früh einsetzender und regelmäßiger logopädischer und häuslicher Förderung gute Chancen auf eine nahezu normale Sprachentwicklung. Autistische Kinder, Kinder mit Mehrfachbehinderungen und Kinder mit Lese-Rechtschreibproblemen behandeln wir auch.

Logopädie setzt sich aus dem griechischen „logos" (Wort) und „paideia" (Erziehung) zusammen. Ist mit dem Abschluss der Sprachentwicklung auch die „Erziehung zum Wort" beendet?

Krupp: Im Prinzip ja, aber infolge verschiedener Erkrankungen oder Unfälle kann es auch im Erwachsenenalter zu Sprachstörungen kommen. Insbesondere neurologische Erkrankungen können Sprach-, Sprech-, Stimm- oder Schluckstörungen zur Folge haben. Der oft nach Schlaganfall eintretende Sprachverlust, die Aphasie, betrifft alle Modalitäten der Sprache. Probleme zeigen sich dann in der Satzbildung, in der Wortfindung, in der Artikulation, im Sprachverständnis, im Lesen und im Schreiben. Ist „nur" das Zusammenspiel von Artikulation, Stimme und Atmung betroffen, spricht man von einer Dysarthrie. Diese Sprechstörung kann ebenfalls durch neurologische Erkrankungen oder Unfälle entstehen. Therapie und Beratung gehen in der logopädischen Behandlung Hand in Hand. Auch die Beratung der Angehörigen ist sehr wichtig und für den Erfolg der Therapie notwendig. Das gilt ebenso für den gesamten Bereich der Kindertherapien.

Es gibt also viele verschiedene Sprachstörungen mit unterschiedlichen Ursachen. Wie sehen die „leichteren Fälle" bei den Erwachsenen aus?

Krupp: Ein Großteil kommt mit funktionellen Stimmstörungen zu uns. Das sind meist Menschen, die berufsbedingt viel sprechen müssen. Die Stimme wird kratzig oder bleibt ganz weg. Bei der Behandlung steht die Beratung zum gesunden und physiologischen Gebrauch der Stimme im Vordergrund. Mit dem richtigen Training kann das Problem in 20 Unterrichtseinheiten gelöst sein.
Bei schweren Fällen wie den zuvor genannten Sprachproblemen nach einem Schlaganfall können selbst die 60 Therapien, die laut Gesetzgeber möglich sind, nicht ausreichen. In Absprache mit dem Arzt und gegebenenfalls nach weiterführenden Untersuchungen können weitere Therapien von der Krankenkasse genehmigt werden. Wie bei Physiotherapien werden unsere Behandlungen vom Arzt verschrieben und von den Krankenkassen getragen.

Ihre Praxisgemeinschaft besteht seit 2004. Zuvor haben Sie beide jahrelang in ambulanten und stationären Einrichtungen mit Kindern und Erwachsenen gearbeitet. Geben Sie Ihre Erfahrung auch weiter?

Krupp: Wir arbeiten mit verschiedenen Logopädenschulen zusammen und betreuen im Rahmen der praktischen Ausbildung regelmäßig Studenten dieser Einrichtungen. In unserer Praxis bieten wir allgemein zur Logopädie oder zu speziellen Störungsbildern Vorträge für Erzieher, Eltern, Ärzte und Interessierte an. Wir selbst erweitern unsere theoretischen und praktischen Kenntnisse ständig durch unterschiedliche Fortbildungen, um so möglichst immer auf dem neuesten Stand der Forschungen und therapeutischen Möglichkeiten zu sein.