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Schönhausen – Rokoko und Kalter Krieg
Seit Dezember des vergangenen Jahres ist nach fast fünfjähriger Umbauzeit das Schloss Schönhausen als Museum geöffnet. Seine Geschichte und die Rekonstruierungsar­beiten erläutert das neu erschienene Buch „Schönhausen – Rokoko und Kalter Krieg.

„Hier lass dich nieder, hier kannst du schön hausen." Mit diesen Worten soll Friedrich der Große seiner Gattin Elisabeth Christine 1740 das Schloss übergeben haben - eine Legende, die das Buch nicht stützt. Wie es überhaupt auf Anekdoten und Schmunzelgeschichten verzichtet, zugunsten einer sachlichen, wissenschaftlich untersetzten und trotzdem angenehm unakademisch formulierten Zeitreise durch die fast 350 Jahre Schloss- und Baugeschichte, durch Politik und Gesellschaft zwischen 1662 und 2009, von der Begründung des Anwesens durch die Adelsfamilie Dohna bis zur Rekonstruierung, die auch mit der Eröffnung des Museums noch nicht vollständig abgeschlossen ist.

Jeweils chronologisch, historisch oder baugeschichtlich strukturiert führen die Autoren - Kunsthistoriker, Architekten, Restauratoren und auch Gartenhistoriker - in zehn abgeschlossenen Kapiteln zu den Beziehungen der Herrschaftshäuser und der Familie Königin Elisabeth Christines, die das Schloss 50 Jahre lang nutzte, und zu ihrem Gatten Friedrich II ebenso, wie zur Nutzung als Lager und Ausstellungsort sogenannter entarteter Kunst in der Nazizeit. Im Abriss der Zeit, in der das Schloss DDR-Präsident Pieck und später Staatschef Ulbricht als Amtssitz diente, geht der Autor auch auf die Rollen beider Persönlichkeiten vor dem Hintergrund politischer Zusammenhänge und auf die an Innenarchitektur und Ausstattung ablesbaren Repräsentationsvorstellungen der Arbeiter- und Bauern-Regierung ein, die sich auch an Umbauarbeiten nach 1964 weiter ablesen lässt, als das Schloss als Staats-Gästehaus diente. Neben der Einordnung von Schönhausen als Verhandlungsort zur deutschen Einheit fehlt ein allerdings deutlicher Verweis auf den „Zentralen Runden Tisch" in der Wendezeit 1989/90, dessen Sitzungen hier abgehalten wurden.

Angemessen breiten Raum nehmen schließlich präzise Erläuterungen der verschiedenen denkmalpflegerischen Leistungen, einzelner Raumausstattungen und Kunstschätze - der Gemälde, Möblierungen und Ausstellungsexponate - und des Gartens ein. Die Texte werden durch 146 historische und aktuelle Fotos, Karten und Skizzen ergänzt.

Ein interessantes und auch für den historisch, baufachlich und kunstgeschichtlich weniger vorbereiteten Leser aufschlussreiches Buch, das Neugier weckt auf einen Besuch des Museumsschlosses und ihn ebenso bestens ergänzt.

Gerald Karpa