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Mediation löst Nachbarschaftskonflikte
„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ (Friedrich Schiller, Wilhelm Tell IV, 3). Mit dem eigenen Nachbarn aber, so hoffen viele, wird es keine Konflikte geben.

Nachbarschaftskonflikte liegen im Trend. Dies gilt insbesondere in dicht besiedelten Wohngebieten. Bei den heutigen Grundstückspreisen sind viele angrenzende Ein- und Zweifamilienhausgrundstücke recht klein. Es gilt der Grundsatz: Wo Menschen eng zusammenleben, muss jeder Rücksicht nehmen, auch an der Gartengrenze. Haus, Grundstück und der Garten sind für viele Menschen ihr wichtigster Bezugspunkt. Auf Störungen in diesem Bereich reagieren sie außerordentlich sensibel.

Streitigkeiten zwischen Nachbarn werden durch die Regeln des BGB geklärt. In Berlin gilt außerdem das Berliner Nachbarrechtsgesetz (NachbG Bln) Vom 28. September 1973.

Wer einmal einen Nachbarschaftsstreit selbst erlebt hat oder Zeuge eines solchen wurde, weiß: Wenn ich mit meinem Nachbarn erst einmal vor der Schlichtungsstelle, vor der Gütestelle oder gar vor Gericht gestanden habe, wird es am Grundstückszaun mit meinem Nachbarn nie mehr so sein wie früher.

Streit an der Grundstücksgrenze kann es über viele verschiedene Dinge geben. Aber lohnt es sich tatsächlich, über alles zu streiten? Muss ein solcher Streit dann unbedingt durch einen Dritten, den Schlichter, den Leiter der Gütestelle oder den Richter am Amtsgericht entschieden werden? Nein, Nachbarn können das selber! Sie können in einem besonderen Verfahren - im Mediationsverfahren - gemeinsam eine Lösung für ihre Konflikte an der Grundstücksgrenze finden.

Einen Konflikt eigenverantwortlich, das heißt im Rahmen eines Mediationsverfahrens zu lösen, hängt erstens davon ab, inwieweit ein Konflikt bereits eskaliert ist. Zweitens muss die Bereitschaft der Beteiligten bestehen, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Eine einvernehmliche Lösung wird in der Regel nicht die Entscheidung durch einen Dritten sein. Der Dritte wohnt nicht an der Grundstücksgrenze. Er bekommt nur im Rahmen dieses Verfahrens überhaupt Kontakt zu den Grundstücksnachbarn. Das nachbarliche Verhältnis kennen die Grundstücksnachbarn untereinander am Besten. Nur sie sind in der Lage, tatsächlich eine Lösung gemeinsam, mit der Unterstützung eines Mediators, zu finden.

Das Mediationsverfahren ist eine Möglichkeit der Konfliktlösung, bei der es darum geht, die Interessen der Beteiligten tatsächlich festzustellen. Vermieden wird eine Entscheidung, die lediglich anhand von Rechtsvorschriften herbeigeführt ist. Der Mediator hilft den Nachbarn eine Lösung zu finden, die für sie tragfähig ist. Mit ihr werden beide Seiten gut leben können. Die Grundstücksnachbarn behalten ihre Entscheidungsgewalt und finden gemeinsam ihre Lösung, eine tragfähige Lösung, die es ihnen ermöglicht, auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, Grenze an Grenze, Garten an Garten zu wohnen.

Kennzeichnend für eine Mediation ist die Freiwilligkeit. Das heißt, nicht ein Dritter zwingt die Streitenden, miteinander zu reden - Es ist ihr eigenes Interesse. Die Nachbarn behalten ihre Eigenverantwortlichkeit. Sie sind nicht gezwungen, sich dem Spruch eines Dritten zu unterwerfen.

Die Mediation kann durch den Mediator vor Ort an der Grundstücksgrenze oder aber an einem neutralen Ort durchgeführt werden. Erfahrungsgemäß führt die Mediation am Gartenzaun oft sofort zum Ergebnis.

Den Ablauf der Mediation und ihre Zielstellung bestimmen die Medianten, die Nachbarn, in einer Mediationsvereinbarung selbst. Der Mediator hilft bei deren Abfassung. Die Lösung entwickeln die Nachbarn selbst.

Die Mediation ist zukunfts- und zielorientiert. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung einer in der Zukunft haltbaren Lösung und nicht in der Aufarbeitung der Vergangenheit.

Inzwischen haben diese Vorteile der Mediation auch die Gerichte erkannt. Sie bieten immer öfter eine gerichtliche Mediation an. Für den Nachbarschaftsstreit ist diese Form der Mediation aber nicht anzuraten. Sie findet letztlich wieder unter dem „Mantel" des Gerichtes statt.

Auch die Rechtsschutzversicherer gehen immer häufiger dazu über, in ihren Rechtsschutzversicherungsbedingungen die Kosten der Mediation zu übernehmen. In diesem Fall wie auch sonst, ist die Mediation im Übrigen auch das kostengünstigere Verfahren. Es lohnt sich also, bei einem künftigen Nachbarschaftsstreit zunächst einmal zu prüfen: Wer bietet Mediation an? Gemeinsam mit dem Mediator und dem Nachbarn lässt sich ein Lösungsweg finden.