In ihrer Reihe von Geschichts- und Geschichtenbüchern zu Berliner Bezirken und Ortsteilen veröffentlichte die Kunst-fabrik Köpenick ein neues Pankow-Buch. In sieben Kapiteln führen 49 Autoren mehr und weniger bekannte Stätte und Persönlichkeiten des Bezirks Pankow an. Da wird in einem übersichtlichen Abriss die Geschichte und die Arbeit der Blankenburger „Albert-Schweitzer-Stiftung - Wohnen & Betreuen" neben dem überregional weniger bekannten 100-jährigen Botanischen Volkspark in Blankenfelde ebenso vorgestellt, wie Pankower, die nicht in der ersten Reihe der örtlichen Berühmtheiten stehen.
So in dem kleinen Porträt des Musikers Ulrich Pannier, dessen Lebensgeschichte hinter einer Romanfigur entdeckt wurde. Der Geiger lebte in seiner Kindheit lange Zeit in Niederschönhausen, war später Orchestermusiker am Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, bevor er nach dem Krieg in Stuttgart arbeitete und hier auch verstarb. Auch an die Dichterin Inge Müller, die Frau des weltberühmten Dramatikers Heiner Müller, wird erinnert. Sie wohnten bis zu ihrem Freitod im Jahr 1966 gemeinsam am Kissingenplatz. „Heiner Müller steht im Rufe, sich ihrer bedient und sie dann dem Vergessen anheim gegeben zu haben", heißt es im Text zu ihr.
Interessant in Form und auch Inhalt der Beitrag zur Geschichte des Güterbahnhofs Pankow-Heinersdorf - eine Erzählung, die sich auf eine Figur des auch als Kriminal-Schriftsteller tätigen Autors bezieht.
Die Texte des Bandes sind von sehr unterschiedlicher und zuweilen leider stark abfallender Qualität. So liest sich das Kapitel zur Kulturbrauerei als selbstgefälliger und nur flau getarnter Public-Relations-Text des Gelände-Vermarkters, der auf die langjährige Geschichte des Areals kaum eingeht. Die gut gemeinten Erläuterungen zu archäologischen Untersuchungen in Berlin-Buch verstricken sich in aufgezählten fachlichen und technischen Formalitäten, wo erzählerisches Gestalten angeraten gewesen wäre.
Das Amtshaus Französisch Buchholz klammert die interessantesten Fragen, die es in seiner Ich-Erzählung anreißt, gleich selbst wieder aus, wenn es auf seine Zeit als Sitz der „Nationalen Front" eingeht - „sagte mir niemand, was die machen...". Gleich darauf heißt es zu einer ominösen Nutzung nicht minder undurchsichtig „Einrichtungen, über die des Sängers Höflichkeit schweigt", und wird auf diese Weise belanglos.
„Erlesenes Pankow" ist ein durchaus lesenwertes und oft interessantes, bedauerlicherweise aber auch zu häufig oberflächlich bleibendes Buch. Der broschierte 176-Seiten-Band zum Preis von 9,95 Euro ist in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich und kann telefonisch unter der Rufnummer 030 - 650 16 230 und per E-Mail mit der Adresse info@kunstfabrikkoepenick.de beim Herausgeber bestellt werden.
Gerald Karpa



