Die kleine, fast unscheinbare Kirche an der belebten Dietzgenstraße ist die Heimat einer lebendigen und sehr musikalischen Gemeinde. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde der Dorfplatz - der heutige Ossietzkyplatz - Friedensplatz genannt. Der nach dem Baubeginn 1869 zwei Jahre später fertiggestellte und am 7. Juli 1871 eingeweihte neuromantisch angelegte, kreuzförmige Kirchbau mit 25 Meter hohem Turm bekam aus Anlass dieses Friedensschlusses den Namen Friedenskirche.
Das alte, baufällig gewordene Gotteshaus an derselben Stelle wurde 1869 abgerissen. Dieser ursprüngliche Bau aus dem 14. Jahrhundert war im 16. Jahrhundert bereits umgebaut und teilweise erneuert worden. So heißt es darüber hinaus heute auch, dass 1743 ein Dachturm und ein hölzerner Laternenaufsatz errichtet worden sei. Die Niederschönhausener evangelische Gemeinde, 1869 selbständig geworden, ließ für ihren Neubau Material von der abgerissenen Kirche verwenden - nicht allein aus praktischen Gründen und Sparsamkeit - es sollte ein bewusster Verweis auf das alte Haus sein. An den Plänen der Neugestaltung soll Preußens König Friedrich Wilhelm IV., der bereits 1861 in Potsdam verstarb, selbst mitgearbeitet haben. Das Vorhaben konnte nicht vollständig umgesetzt werden, da der vorgesehene dreistufige Turm von den vorhandenen Fundamenten nicht hätte getragen werden können.
Einige wenige Grabsteine vor dem Eingang zum Gebäude mit seinen etwa 400 Plätzen erinnern heute an den 1866 geschlossenen Kirchhof. Ein Georg Wilhelm Obermann ist hier auf einer Platte verewigt, geboren am 18. Dezember 1786, verstorben am 9. oder 19. November 1855. Kaum etwas ist noch lesbar auf den alten Grabmalen. Ein anderer Verstorbener war königlich-preußischer Stadt- und Polizei-Consul ... , wie der sandsteinfarbene, verwitterte und leicht bemooste Stein verrät.
Die Kirche hatte 1926 eine Orgel des Niederlausitzer Baumeisters Gustav Heinze erhalten. Das klangvolle Instrument mit seinen 36 Registern mit 4282 Pfeifen war im 2. Weltkrieg - wie die Kirche selbst - stark beschädigt und im Laufe der Jahre immer weiter zunächst wieder aufgebaut, repariert und weiter hergerichtet worden. Vor zwei Jahren wurden das Haus und die Orgel aufwändig restauriert. Heute begleitet es die sonntäglichen Gottesdienste der Gemeinde und manches Konzert in dem Haus, das vor zwei Jahren teilweise restauriert wurde - im Zuge von Arbeiten, die auch der Friedenskirche selbst ihr heutiges Aussehen gaben.



