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Hightech mit Abstrichen
Seit 1. November 2010 sollte der neue Personalausweis dem aufgeschlossenen Bundesbürger raffinierte Einsatzmöglichkeiten bieten, unter anderem eine beispiellose Sicherheit im Vergleich zu den bisherigen Authentifizierungsmethoden wie Benutzername und Passwort.

Nun ist der erste Ansturm auf die schicken kleinen Karten abgeflaut - schon weit über eine halbe Million hatte sich für die Ident-Innovation vorgemerkt - und die anfängliche Vorfreude einer erstaunten Skepsis gewichen: Wer es denn schon erhielt, für den entpuppte sich das Dokument rasch als launische Diva mit elektronischen Starallüren.

Dabei sollte das Ding so Vieles ermöglichen: Über eine direkte elektronische Identifikationsfunktion (eID) Online-Bestellungen, Logins und Vertragsabschlüsse erleichtern, und somit Behördengänge endgültig überflüssig machen.

Doch irgendwie scheint das Identitätsmanagement sei­­nen Visionen noch hinterherzuhinken. Es beginnt mit dem Liefer­engpass: Statt 2-3 Wochen Wartezeit geben die Bürgerämter zurzeit 4-6 Wochen an. Realisten rechnen mit etwa 7 Wochen.

Danach berichten Nutzer, zwar werde die Anfang Januar erschienene AusweisApp geladen und der Ausweis über ein dafür zertifiziertes Lesegerät erkannt. Das Ausprobieren der neuen Funktionen aber gleiche einem Glücksspiel, mal funktioniere eine, mal nicht. Längst nicht alle auf der Website des neuen Personalausweises (www.personalausweisportal.de) aufgeführten Portale seien erreichbar, so beispielsweise weder Rentenkasse noch Schufa. Daneben wirkten leere Anbieterlisten oder Anbieter namens „Null" wenig vertrauensein-flößend.

Man sei bemüht, die Fehlerquellen abzuarbeiten, heißt es. Wer also nicht zwingend ein neues Personaldokument benötigt, ist gut damit beraten, derlei „Kinderkrankheiten" abzuwarten, und einstweilen mit gewohnter Vorsicht auf bewährte Transaktionsformen zurückzugreifen.

Wer aber die Karte ­benötigt, sollte sich mit einem der Passbild-Schablone (Vorgaben: www.bundesdruckerei.de; Link: Passbild) entsprechenden Lichtbild zum Amt begeben. Für Erwachsene kostet der neue Personalausweis 28,60 € bei zehnjähriger Gültigkeit. Die Online-Ausweisfunktion ist jederzeit an- und abschaltbar, wobei das nachträgliche Anschalten mit 6 € berechnet wird, das Abschalten hingegen kostenfrei ist.

Wie sicher das Ganze ist, ist überdies fraglich: Wer sich einen laut Insidern momentan möglichen „digitalen Handtaschenangriff" - so nennen Kriminalisten einen so genannten Relay-Angriff auf vergleichbare digitale Daten - ersparen will, bleibt erst mal beim alten.