Schon im Altertum verwendete man Schablonen zur dekorativen Darstellung sich wiederholender Ornamente. Dies war meist sehr zeitaufwändig und teuer.
Mit der Industrialisierung wurde es möglich, Pigmente aller Farbnuancen synthetisch und preiswert herzustellen. Zur Zeit des Historismus im 19. Jahrhundert wurden Bürgerhäuser opulent mit klassizistischen Motiven verziert, mit dem Aufkommen des Jugendstils kamen florale Formen in Mode. Dabei wurden Schablonenmotive meist zur Begrenzung von Innenflächen eingesetzt, die großflächig mit Tapeten oder Musterrollen gestaltet wurden.
Während man früher überwiegend mit Leinöl- und Kalkfarben schablonierte, kann heute fast jede Farbe eingesetzt werden, vorausgesetzt, Untergrundfarbe und Schablonierfarbe enthalten die gleiche Bindemittelart. Die elastischen Schablonen zum Selbstschnitt sind aus geöltem und lackiertem Zeichenkarton, aus dem die Muster mit scharfem Messer herausgeschnitten werden, Fertigschablonen hingegen aus Kunststoff. Der Farbauftrag geschieht durch Tupfen mit einem Ringpinsel, oder in kreisenden Bewegungen vom Rand zur Mitte, lässt sich aber auch mit einer groben Bürste sprenkeln, oder einfach sprühen.
Dabei unterscheidet man zwischen einschlägigen Schablonen für ein Motiv in einer Farbe, und mehrschlägigen Schablonen für mehrfarbige Motive. Letztere sind in mehrere Teile für jede Farbe zerlegt. Anhand von Markierungen wird das Motiv Stück für Stück aufgebaut, und jeweils nach der Trocknung der einen passgerecht die nächste Farbe aufgetragen.
Auch bei der Fassadengestaltung setzen Schablonenmotive reizvolle Akzente. So lassen sich beispielsweise mit Klebeschablonen Motive auf vorbereitete Glattputzflächen aufbringen.
Bei der Restaurierung von Flächen wirken freigelegte und konservierte „Zitate" der ursprünglichen Bemalung, die farblich und gestalterisch vom Fachmann kongenial in die Neugestaltung integriert werden, besonders gelungen.
Ein treffliches Beispiel hierfür ist die Treppenhausgestaltung des 1876 erbauten Hauses in der Lützowstraße 6 in Berlin-Schöneberg, mit der der Buchholzer Restaurator und Malermeister Ragnar Ach im Jahre 2010 den ersten Preis des Treppenhauswettbewerbs der Berliner Maler- und Lackiererinnung gewann.



