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Blühende Preziosen im Botanischen Volkspark
Nachdem im vergangenen Jahr die Hochgewächshäuser des Botanischen Volksparks Pankow nach gründlicher Rekonstruk­tion feierlich der Öffentlichkeit übergeben wurden, erfreut sich die Anlage, die mit einem eindrucksvollen alten Baumbestand, Wasser- und Steingärten, üppigen Staudenbeeten und zahlreichen seltenen, vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten aufwarten kann, wieder regen Zulaufs.

Der Stadtgartendirektor Albert Brodersen legte 1909 auf einem ehemaligen Rieselfeld von etwa 30 Hektar entlang der Blankenfelder Chaussee zwischen Niederschönhausen und Blankenfelde den größten Schulgarten Europas an. Damals wurden jährlich drei Millionen Pflanzen angeliefert, um Stadtkindern und Erwachsenen die Natur näher zu bringen. 1912 entstanden die Hochgewächshäuser, eine geologische Wand, verschiedenartige Waldstücke, eine Obstbaumallee, Feldflure, ein Steinbruch, ein Kräutergarten, Wiesenanlagen und ein kleines Tiergehege. Daneben wurde das reguläre Schulgartensortiment noch durch heimische Pflanzen und Bäume aus den Brandenburger Wäldern ergänzt.

Während der Weltkriege wurden hier Kartoffeln und Gemüse für die Versorgung der Bevölkerung angebaut. 1952 übernahm die Zentralstation Junge Naturforscher die Verantwortung für das Gelände, um sich auch um die außerschulische Schülerbildung zu kümmern. Im Jahr 1977 wurde der Botanische Volkspark der Humboldt-Universität angegliedert. Nach dem Mauerfall fanden sich viele Interessenten mit verschiedensten Vorstellungen über die Weiternutzung des Geländes. Glücklicherweise wurde der Garten aber 1994 als Gartendenkmal im Rahmen des Berliner Denkmalschutzgesetzes festgelegt, und dadurch vor einer Weiterveräußerung geschützt. Seit 1995 war der Botanische Volkspark eine öffentliche Parkanlage des Bezirkes Pankow, mit Beginn des Jahres 2011 ging die Verantwortung zwecks Kostenentlastung für zunächst drei Jahre an die Grün Berlin GmbH über.

Alljährlich wird hier das fleißige Sprießen der Fauna mit einem Osterspaziergang am Karfreitag um 14.00 Uhr unter Führung des Bezirksbürgermeisters von Pankow eingeläutet. Das größte Fest aber ist das Blütenfest der „Königin der Nacht", einer Schlangenkaktee, die ihre prachtvollen krönchenförmigen Blüten regelmäßig Ende Juni / Anfang Juli öffnet, aber dies nur nachts für einige wenige Stunden. Der lateinische botanische Namen „Selenicereus" leitet sich daher von der griechischen Mondgöttin Selene ab.

Ihr zu Ehren veranstaltet das Bezirksamt Pankow mit freundlicher Unterstützung von Stage Craft Eventmanagement GmbH ein Fest im Park mit Darbietungen der Artistenschule Pankow, den Internationalen Drehorgelfreunden e.V., Livemusik und vielem mehr. Aber auch zwischen den offiziellen Terminen lohnt sich ein Besuch der Anlage. Großräumige Staudenbeete mit Sträuchern und vielen einjährigen Blumen wechseln sich ab mit Skulpturen bildender Berliner Künstler, die hier seit 2002 auch heimisch sind, und das Gelände reizvoll akzentuieren. Eine Steingartenanlage, der Schattenstaudenbereich und eine Wassergartenanlage komplettieren den Eingangsbereich. Das aus der dendrologischen (wissenschaftlich baumkundlichen) Abteilung des alten Schulgartens hervorgegangene Arboretum und die Hochgewächshäuser sind absolut sehenswert.

Wenn man den Schauteil des Gartens verlässt, findet man zahlreiche Wege in die freie Landschaft mit Feldern, Wiesen, einer Obstbaumallee und Baumgruppen. Allerdings sind die westlich gelegenen Hochwälder nicht zugänglich. Hier befinden sich zwei fast zugewachsene Teiche, die sich als Biotope ungestört entwickeln sollen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die geologische Wand, die einen Schnitt durch die obersten Schichten der mitteleuropäischen Erdkruste darstellt, und 123 Gesteinsarten aus ganz Deutschland zeigt. Dazu gibt es auch eine erläuternde Broschüre, die im Umweltbüro am Weißen See, und im Amt für Umwelt und Natur des Bezirksamtes Pankow erworben werden kann. Nahe bei der Wand führt ein erst 1999 angelegter, ca. einen Kilometer langer Verbindungsweg in das Angerdorf Blankenfelde.

Botanischer Volkspark
Blankenfelder Chaussee 5, in 13159 Berlin
Zu erreichen ist er mit den Bussen der Linien 107 und 124.