Mit der heutigen Ausgabe startet eine 12-teilige Ratgeberserie zu den Themen Geldanlage, Versicherung und Finanzierung. Anspruch dieser Serie ist es, Sie, verehrte Leser mit Informationen vertraut zu machen, die Ihnen Hilfestellung bei einer sinnvollen und solide strukturierten Planung Ihrer finanziellen Angelegenheiten gibt. Da diese Themen sehr komplex und für den Laien oft undurchsichtig sind, wollen wir ein wenig Licht in den Dschungel von Produkten, Anbietern und finanzökonomischen Zusammenhängen bringen. Ausgangspunkt jeder finanziellen Planung sind eine fundierte Bestandsanalyse und eine individuelle Zielsetzung für bestimmte Lebensphasen.
Ob Sie den Weg zu einem Berater bei der Bank „um die Ecke" oder zu einem freien Finanzdienstleister finden, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist einzig und allein, dass sich der Berater viel Zeit (mindestens 2 - 3 Stunden sollten Sie für eine Erstberatung einplanen) für Ihr Anliegen nimmt und nicht nur einen Produktabverkauf vor Augen hat. Geldangelegenheiten sind Vertrauenssache. Und Vertrauen entsteht nur, wenn man sich kennenlernen kann. Aber auch der Anleger selbst ist gefordert. Gehen Sie deshalb gut vorbereitet zum Beratungstermin und seien Sie sich über Ihre kurz-, mittel- und langfristigen Anlageziele und Wünsche im Klaren. Oft sind Anleger nur auf der Suche nach dem vermeintlichen Schnäppchen und erliegen schnell der Jagd nach zehntel Prozentpunkten auf dem Tagesgeldkonto. Das hat nichts mit einer soliden Investmentplanung zu tun. Auch die Höhe Ihres Investments spielt eine untergeordnete Rolle. Die Erfahrung lehrt, wer schon rechtzeitig in den ersten Arbeitsjahren, selbst mit geringen Beträgen, seine Finanzplanung in die Hand nimmt, kann sich bis zum Rentenalter ein ansehnliches Kapital aufbauen. Geldanlage hat viel mit dem Faktor Zeit zu tun (Zinseszins).
Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Siehe Box unten.
Fordern Sie von Ihrem Berater einen verständlichen Sprachgebrauch. Es nützt Ihnen wenig, wenn Sie zwar von der Fachkenntnis des Beraters überzeugt sind, aber nichts oder nur wenig verstanden haben. Über die allgemeinen Zusammenhänge des Anlageproduktes im Wirtschaftsfinanzzyklus sollten Sie aufgeklärt werden. Nur so können Sie ein Gefühl dafür entwickeln, ob die prognostizierte Rendite realistisch ist.
Sie stellen zu Recht die Frage nach der Sicherheit der Geldanlage. Deshalb hinterfragen Sie immer, ob das empfohlene Produkt dem weißen Kapitalmarkt zugehörig ist. Wenn Sie im Unklaren gelassen werden, erkundigen Sie sich bei diversen Verbraucherzentralen oder bei der Stiftung Warentest (diese gibt übrigens auch eine Warnliste über dubiose Geldanlageangebote heraus). Sie haben hart für Ihr Geld gearbeitet - lassen Sie es nicht durch Anlagebetrug vernichten.
Rendite und Risiko stehen in einem unvermeidbaren Wechselspiel. Nur der informierte und aufgeklärte Anleger kann ein angemessenes, seinen individuellen Anlagezielen entsprechendes Rendite- Risikoverhältnis einschätzen. So sind Sie in der Lage, sich nicht von Emotionen leiten zu lassen. Weder Gier noch Panik waren und sind gute Ratgeber in punkto Geldanlage. (Die beiden großen Krisen, Anfang des Jahrtausend und 2008/2009, haben es wieder gezeigt.) Eine langfristig ausgerichtete Investmentstrategie darf nie durch kurzfristige Ereignisse in Frage gestellt werden und zu Aktionismus führen (auch Ihr Berater sollte nicht zum trendorientierten Aktionismus neigen). Leider belegt die statistische Praxis (Mittelab- bzw. zuflüsse in verschiedene Anlageklassen) immer wieder diese Fehler.
Steuerersparnisse (vermeintliche) sind für viele deutsche Anleger Grund genug bei der Auswahl von Investmentprodukten. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, viele prospektierte Prognosen und Beraterversprechen haben sich im Nachhinein als Irrtum, wenn nicht sogar als Betrug herausgestellt. Sicherlich sollte ein Investment auch unter steuerlichen Aspekten betrachtet werden, aber nie als Primat. Das sensible Thema Kosten muss Gegenstand jeder Beratung sein. Auch ein Finanzprodukt bzw. eine Dienstleistung kosten Geld, wichtig sind Transparenz und Angemessenheit. Angebote im Rahmen von Marketingmaßnahmen sind da oft wenig hilfreich und sollten die Anlageentscheidung nicht beeinflussen.
Eine fundierte Anlagevermittlung endet mit einer ausführlichen Beratungs- dokumentation, die rechtlich vorgeschrieben ist und sowohl den Anleger als auch die gewählte Geldanlage klassifiziert. Prüfen Sie gemeinsam mit Ihrem Berater die Plausibilität und den Wahrheitsgehalt der Dokumentation, und einem langjährigen und vertrauensvollen Miteinander steht nichts mehr im Wege.
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