Laut jüngster Schätzung des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen leidet hierzulande etwa jeder zwölfte über 60-Jährige unter chronischer Mangelernährung. Damit ist Mangelernährung im Alter eine der häufigsten und gleichzeitig am wenigsten beachteten Krankheiten im Alter, kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die meisten von uns Unterernährung erst einmal mit der „Dritten Welt“ verbinden. Die Ursachen für Mängel in der Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung sind mannigfaltig. Das Alter verändert Hunger-, Durst- und Sättigungsgefühle, die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung kann herabgesetzt sein. Dies kann eine geringere Flüssigkeitszufuhr und eine geringere und einseitigere Nahrungszufuhr bewirken. Auch körperliche Einschränkungen, wie z.B. Kaubeschwerden durch eine neue oder ungünstig angepasste Prothese, oder Schluckbeschwerden wie bei der Parkinsonschen Erkrankung oder nach einem Schlaganfall erschweren die Nahrungszufuhr. Unterschätzt werden häufig auch soziale Ursachen: Trauer, Einsamkeit und soziale Isolation können, Depressionen, Vergesslichkeit oder Demenz werden sich appetitmindernd auswirken.
Bei alten Menschen, die schwach, dauerhaft müde, teilnahmslos und infektanfälliger sind - Symptome sind hier häufige Erkältungen, Wundheilungsstörungen (wunde Stellen), erhöhtes Sturzrisiko und nachlassende Lebensfreude - sollte zunächst einmal eine Mangelernährung ausgeschlossen werden. Blasse und schlaffe trockene Haut (die stehenbleibt, wenn man sie mit den Fingern auf dem Unterarmrücken zusammendrückt) ist ein Zeichen für Austrocknung (Exsikkose).
Laut Definition ist eine Mangelernährung die mangelnde Versorgung des Körpers mit Energie (Kohlenhydraten, Eiweiß, Fett) und weiteren Nährstoffen (Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen) über einen längeren Zeitraum. Mangelernährung kann festgestellt werden durch regelmäßige Gewichtskontrolle, und die Bestimmung des BMI (Body-Maß-Index) nach der Berechnungsformel: Körpermasse in kg / Körpergröße in m x Körpergröße in m.
Richtwerte bei Erwachsenen über 65 Jahre für den BMI sind: unter 18,5 -> Untergewicht; 18,5 bis 24 Risiko einer Mangelernährung; 24 bis 29 Normalgewicht; über 29 Übergewicht [Quelle: Grundsatzstellungnahme Ernährung und Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen. Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen, e.V. 2003 (MDS)]. Entscheidend für die Feststellung einer alters- oder krankheitsbedingten Mangelernährung ist das Ausgangsgewicht. Nicht jeder niedrige BMI stellt eine Mangelernährung dar. Aber auch ein normaler oder höherer BMI schließt bei rapider Gewichtsabnahme in kurzer Zeit eine mögliche Mangelernährung nicht aus.
Nachdenklich stimmt, dass von Senioren, die stationär oder ambulant versorgt werden, gut jeder Dritte nicht genug oder Ungeeignetes zu essen oder trinken bekommt. Ob dies an Kostenkalkulation, Ausbildungsdefiziten oder Arbeitsüberlastung liegt, sei dahingestellt, hier ist der Gesetzgeber gefragt, inwieweit er den Maßstäben einer christlich-abendländischen Gesellschaft noch gerecht wird.
Je eher der Focus auf die Ernährung gerichtet wird, und im Zweifelsfall vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, umso höher sind die Chancen, weiteren körperlichen und geistigen Abbau zu verhindern. Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung sind anteilig:
60-65% Kohlenhydrate, 25-30% Fett, 10% Eiweiß (oder 0,8g/kg Körpergewicht pro Tag).
Unsere Homecare-Fachberaterin Frau Christina Miket berät Sie gerne in unserer Apotheke!
Ernährungsberater empfehlen:
Speisen sollten appetitlich und geschmacksintensiv zubereitet werden
Nährstoff- und energiereiche Kost (Milch- und fettreiche Produkte, Gemüse, Fleisch, Fisch, Obst, Vollkornprodukte)
Viele kleine Mahlzeiten am Tag sind geeigneter als wenig große Portionen (aufessen)
Beobachtung des Essverhaltens (Essen in Gesellschaft, Kontrolle)
Zerkleinern oder Pürieren der Nahrung
Ausreichend Flüssigkeit anbieten
Ergänzung des Ernährungsplans zusätzlich mit Trinknahrungen zwischen den Mahlzeiten



