Seit 2005 steht die Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek der Öffentlichkeit zur Verfügung. Zwischen den vielen Skulpturen in Pankow findet sich kein Abbild von ihm. Wer war Wolfdietrich Schnurre?
Im Alter von acht Jahren zog er mit seinem Vater, einem Bibliothekar und Ornithologen, nach Berlin: „Zur Welt kam ich 1920 in Frankfurt am Main; geboren wurde ich 1928 im Nordosten Berlins", schrieb Schnurre. Dort besuchte er zunächst eine sozialistische Volksschule, und anschließend ab 1935 ein humanistisches Gymnasium. Dann ging es übergangslos in den Krieg, an dem er als Soldat teilnahm, zuletzt in einer Strafkompanie. Er flüchtet, kehrt zu seinem Vater zurück, ist traumatisiert: „All das Elend, das Grauen, die Toten: das ließ einen nicht los. Und auch das Schuldgefühl wollte, dass man sich stellte. Tags erfuhr ich auf bienensummenden Feldern [...] was Frieden ist. Ich begriff es nur zögernd, denn Nacht für Nacht tobte wieder der Krieg los im Hirn."
Im Jahre 1958 veröffentlicht der Schriftsteller die Vater-Sohn Erzählungen „Als Vaters Bart noch rot war", die zwischen 1926 und 1936 in Berlin spielen: Bruno wohnt mit seinem alleinerziehenden arbeitslosen Vater in einer Mietwohnung. Trotz Armut versucht dieser seinem Sohn eine schöne Kindheit und Jugend zu ermöglichen. Die leisen, humorvollen und sehr poetischen Alltagsgeschichten sind „ganz unpathetisch, am Rande gleichsam, in der Beschreibung eines Kindes" (Walter Jens), und versetzen den Leser gleich atmosphärisch in das Berlin der 20er Jahre.
1962 trat Schnurre aus Protest gegen das Schweigen zum Bau der Berliner Mauer aus dem P.E.N. aus. 1964 erkrankte er schwer an Polyneuritis, er verstarb 1989, und ist auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof begraben.



