In den letzten Jahren nahm die Arbeitsvermittlung ins europäische Ausland zu. Vor allem Österreich wird angesichts anhaltend ungünstiger Jobperspektiven im eigenen Land immer attraktiver. Außer der Sprache bietet Österreich als Arbeitsland den Vorteil, dass man in Deutschland krankenversichert bleiben kann, Steuern hierzulande abgeführt werden, und Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und zur Rentenversicherung direkt in Deutschland bezahlt werden.
Ein Vorteil also gegenüber Ländern wie der Schweiz, wo befristete Aufenthaltsregeln gelten, wo man anfangs kein Konto eröffnen darf, und wo sehr hohe Lebenshaltungskosten einem guten Verdienst gegenüberstehen.
„Und in Österreich werden nach wie vor händeringend Fachkräfte gesucht“, gibt Andreas Kübler, zertifizierter Arbeitsvermittler von der privaten Arbeitsvermittlung AVP, zu bedenken: „Immer noch werden kurzfristig Leute eingestellt.“
Bezahlt werden die Arbeitskräfte nach österreichischem Arbeitsrecht (Kollektivvertrag Arbeitnehmerüberlassung). Dabei muss immer nach dem besser gestellten Kollektivvertrag bezahlt werden. Ein Maurer darf beim Arbeiten in Österreich finanziell nicht schlechter gestellt sein als seine österreichischen Kollegen.
„Es gibt arbeitstäglich eine steuerfreie Auslöse von 26,40 Euro sowie ein Nächtigungsgeld von 15 Euro. Hinzu kommen Überstundenzuschläge und ein 13. und 14. Monatsgehalt“, weiß der Arbeitsvermittler aus der Praxis. Er nennt auch Zahlen: „Bei einer Mindestzahl an Arbeitsstunden und Lohnsteuerklasse I bekommt ein Geselle, also ein Arbeiter mit Facharbeiterbrief, ein Monatsgehalt von mindestens 2.000 Euro netto. Unterkünfte werden zur Verfügung gestellt, es gibt in der Regel keine Altersbeschränkung, natürlich werden auch Berufseinsteiger, die ihre Ausbildung beendet haben, eingestellt. Und auch Teambewerbungen, z.B. von Einschaler-Kolonnen, werden sehr gern entgegen genommen.“
Besonders gefragt seien nach wie vor examinierte Krankenschwestern und Krankenpfleger, die langfristig in Krankenhäuser und Seniorenheime vermittelt werden könnten. Aber auch Handwerker würden zurzeit wieder gern vermittelt. Doch da Österreich stark am Winter-Tourismus orientiert sei, würden bauliche Instandsetzungsmaßnahmen vor allem während der Sommersaison vorgenommen. „Viele Baufirmen stellen Fachkräfte auf Zeit ein, organisieren und bezahlen ihnen eine Unterkunft, die in dieser Zeit leicht zu finden ist“, erklärt Andreas Kübler. „Es werden aber auch für das nächste Frühjahr wieder dringend Fachkräfte für das Bauhaupt- und Nebengewerbe gesucht. Wer mit dem Gedanken spielt, es einmal zu probieren, sollte sich möglichst bald anmelden.“



