Schauspielern will gelernt sein.
In der Pankower Stagecoach
Schule für Kinder erhalten
schon die Kleinsten die Möglichkeit,
Singen, Tanzen und
Schauspielern auf der Bühne
und auch vor einer Fernsehkamera
zu üben. Welche Besonderheiten
sie beim Proben für
die Kamera berücksichtigen
müssen, erfahren sie hier. Film- und Fernsehschauspieler müssen bei ihrer Arbeit spezie¬lle Licht- und Tonverhältnisse berücksichtigen und die Fachterminologie am Filmset beherrschen. Von einfacher oder schwerer kann dabei kaum die Rede sein, die Arbeit vor der Kamera ist anders als die Arbeit auf der Bühne, viel intimer und unmittelbarer.
Aufgrund der größeren räumlichen Distanz müssen Bühnenschauspieler eine stärkere körperliche und emotionale Ausdruckskraft an den Tag legen, um auch die Zuschauer im zweiten Rang noch zu erreichen. Angedeutete und zurückhaltende Gesten reichen nicht aus, um den emotionalen Zustand der Figur darzustellen.
Ganz anders funktioniert Schauspiel vor einer Kamera, bei dem häufig die Großaufnahme verwendet wird, um gedankliche oder emotionale Feinheiten zu vermitteln. Kleinste Unsicherheiten fängt die Kamera sofort ein und vergrößert sie. Diese enorme Kraft der Großaufnahme erfordert vom Schauspieler absolute Konzentration.
Auch lassen sich auf einer Theaterbühne, mindestens 15 Meter vom Publikum entfernt, Textunsicherheiten vertuschen, während die Kamera auch das kleinste ungeplante Zögern preisgibt. Beim Drehen werden Mikrofone, zum Beispiel unter dem Hemdkragen versteckt, die jedes Flüstern des Schauspielers registrieren.
Das Erheben der Stimme kann hier unnatürlich wirken, wohingegen ein Schauspieler auf einer Theaterbühne eine klare, weit hörbare Stimme haben muss, sonst stranden die Worte spurlos in der dritten Reihe.
Besonders bei der Darstellung von Gefühlen müssen Schauspieler auf die jeweilige räumliche Distanz achten. „Echte" Menschen setzen in der Regel alles daran, ihre Gefühle nicht zu zeigen. So versucht auch der moderne Filmschauspieler gegen Tränen anzukämpfen und ihnen erst nachzugeben, wenn alle Abwehrmechanismen erschöpft sind - das ist glaubwürdiger und überzeugender. Im Theater hingegen, erkennen weiter entfernt sitzende Zuschauer solche Nuancen nicht und reagieren irritiert.
Ein weiterer Unterschied zwischen der Arbeit vor der Kamera und der auf der Bühne besteht in der Art der Vorbereitung. Wochenlange Proben im Theater ermöglichen es dem Schauspieler, in seine Rolle hineinzufinden und mit ihr zu wachsen. Ein chronologischer Ablauf des Spielens und die dramatische Schubkraft helfen den Darstellern dabei, in ihrer Rolle zu bleiben.
Ganz auf sich allein gestellt hingegen, bereitet sich der Filmschauspieler zu Hause auf seine Rolle vor. Im Vorhinein kann er kaum proben, meist findet nur unmittelbar vor dem Drehen der Einstellung eine Ablaufprobe statt. Falls seine Spielweise dem Regisseur nicht gefällt, soll der Darsteller Alternativen zur Hand haben. Zudem werden meist isolierte Momente gedreht, und das auch noch in völlig anderer Reihenfolge als im Drehbuch festgehalten. Filmschauspieler müssen also jederzeit in der Lage sein, ohne dramatischen Aufbau in ihre Rolle zu springen.
Ob auf der Bühne oder beim Film: Authentizität der Rolle ist das A und O des Schauspiels. Dabei stellen das Spielen auf der Bühne und vor der Kamera die gleichen Anforderungen an den Schauspieler, nur in unterschiedlichen Maßen: Weniger ist Mehr! - Das gilt für beide, nur beim Film ist noch Weniger noch Mehr!
Die Kinder der Stagecoach Schule beginnen am 13. September wieder mit den Proben. Wer sich bis zum 22. August für das Herbsttrimester anmeldet, erhält einen Frühbucher-Rabatt von 30,-€, der auf die Trimestergebühr angerechnet wird. Der nächste CameraActing Workshop findet vom 27.10. - 31.10. statt. Interessierte und Neugierige können am 6. September um 11:00 Uhr kostenlos an einem verkürzten Unterrichtstag teilnehmen, Voranmeldung ist erforderlich.



